{"id":8127,"date":"2004-12-11T20:59:18","date_gmt":"2004-12-11T18:59:18","guid":{"rendered":"https:\/\/anp-genealogy.ch\/news-media\/nicht-kategorisiert\/immobilie-sucht-eigentuemer-mckinsey-knowledge\/"},"modified":"2026-04-01T16:41:51","modified_gmt":"2026-04-01T14:41:51","slug":"immobilie-sucht-eigentuemer-mckinsey-knowledge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anp-genealogy.ch\/de\/neuigkeiten-medien\/medien\/immobilie-sucht-eigentuemer-mckinsey-knowledge\/","title":{"rendered":"Immobilie sucht Eigent\u00fcmer \u2013 McKinsey Knowledge"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"8127\" class=\"elementor elementor-8127 elementor-7663\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-9d06c0b e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"9d06c0b\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-3df3ed5 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"3df3ed5\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Noch nie zuvor wurden in Deutschland so viele Verm\u00f6gen vererbt wie heute. Dank professioneller Erbenermittler trifft es manche Erben v\u00f6llig unerwartet.<\/p>\n<p> Wenn die Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung das Erbrecht der DDR \u00fcbernommen h\u00e4tte, st\u00fcnde sie heute finanziell deutlich besser da, vielleicht so gut wie die Schweiz, die zumindest in Erbrechtsfragen die sozialistische Variante anwendet.<\/p>\n<p> Solche Gedanken kommen einem in Dietikon bei Z\u00fcrich in den Sinn, wo vier Personen im dritten Stock eines unscheinbaren Wohnhauses auf Gymnastikb\u00e4llen vor ihren Bildschirmen sitzen. Eine ist vertieft in Mikrofilme alter Kirchenb\u00fccher, eine andere, eine ausgebildete Germanistin, klebt Stammb\u00e4ume zu breiten Bannern zusammen. Der Chef telefoniert mit einer 87-j\u00e4hrigen Dame in einem Seniorenheim irgendwo in Ostdeutschland. \u201eWie hie\u00df der Mann Ihrer Schwester?\u201c, fragt er, \u201eund wissen Sie auch, wann er gestorben ist? \u2026 Hatten sie Kinder? \u2026 Oh, er hatte einen Doktortitel? Wissen Sie zuf\u00e4llig, wo er heute lebt?\u201c<\/p>\n<p> Gleichzeitig gibt er den Namen des Arztes auf www.teleauskunft.de ein, findet aber keinen Eintrag. \u201eNein, wir ermitteln noch, melden uns aber wieder. Vielen Dank f\u00fcr Ihre Hilfe, auf Wiedersehen.\u201c In drei Tagen, drei Wochen, drei Monaten ruft er vielleicht wieder an und teilt der alten Dame mit, dass sie 270.000 Euro erben kann.<\/p>\n<p> Im dritten Stock des unscheinbaren Wohnhauses in Dietikon geht es um herrenlose Werte, um die Toten und darum, wenigstens einen rechtm\u00e4\u00dfigen Erben zu finden. Denn der Mann am Telefon bekommt keinen Cent, aber der Staat streicht alles ein.<\/p>\n<p> Manuel Aicher, 44, ist Erbforscher. Schon als Teenager entdeckte er seine Leidenschaft f\u00fcr die Familienforschung. Aicher ist der Sohn des bekannten Designers Otl Aicher und der Schriftstellerin Inge Aicher-Scholl sowie ein Neffe der Geschwister Sophie und Hans Scholl, die 1943 als Widerstandsk\u00e4mpfer der \u201eWei\u00dfen Rose\u201c hingerichtet wurden. Aicher wollte wissen, wer sie waren und welchen famili\u00e4ren Hintergrund sie hatten. Er begann, Stammb\u00e4ume zu zeichnen und nahm Auftr\u00e4ge von Menschen an, die \u2013 wie er \u2013 Licht in ihre Familiengeschichte bringen wollten. So kam er vor 20 Jahren zur Erbensuche, da ihn der Anwaltsberuf nicht erf\u00fcllte. In Berlin fand er einmal acht Erben eines staatenlosen Obdachlosen, der in den 1930er-Jahren aus Deutschland in die Schweiz geflohen war, um dem Wehrdienst zu entgehen, und der mit seinem Einkaufswagen zu einem bekannten B\u00fcrger Z\u00fcrichs geworden war. Er hinterlie\u00df seinen \u00fcberraschten Angeh\u00f6rigen 400.000 Schweizer Franken. Aicher besorgte sich ein paar tausend Euro f\u00fcr eine Transsexuelle, die er als Mann gesucht und als Frau gefunden hatte.<\/p>\n<p> Die sch\u00f6nsten F\u00e4lle sind die, in denen Menschen mit wenig Geld f\u00fcr ein paar Tausend Euro dankbar sind. Wie die \u00e4ltere Dame in Dresden, die mit ihrem Mann von einer Rente von 800 Euro lebt und eine Operation immer wieder verschieben muss, weil die Krankenkasse nicht zahlen will. Aicher hat sie nun als eine von vier Erbinnen eines kleinen Anwesens in der N\u00e4he von Berlin ausfindig gemacht, das voraussichtlich rund 60.000 Euro wert sein wird. \u201eSie ruft mich st\u00e4ndig an, aber ich muss ihr immer wieder versichern, dass es Monate dauern kann, bis das Geld tats\u00e4chlich auf ihrem Konto ist\u201c, sagt Aicher.<\/p>\n<p> Jeder kann Erbermittler werden. Wie Journalisten, Detektive oder Schriftsteller. Man braucht weder einen Hochschulabschluss noch eine formale Ausbildung, nur einen Berufsabschluss. Und das Geld liegt \u2013 auf den ersten Blick \u2013 quasi auf der Stra\u00dfe: Das Deutsche Institut f\u00fcr Altersvorsorge hat berechnet, dass rund 15 Millionen deutsche Haushalte in diesem Jahrzehnt Verm\u00f6gen von rund zwei Billionen Euro erben werden, also 200 Milliarden Euro pro Jahr \u2013 mehr als je zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Nur in etwa 30 Prozent der Erbf\u00e4lle regelt ein Testament die Erben; in allen anderen F\u00e4llen gilt die gesetzliche Erbfolge, die die Erben in folgender Reihenfolge einteilt: Nach dem Ehepartner des Verstorbenen kommen dessen Kinder und Enkelkinder; in zweiter Ordnung die Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen, dann die Gro\u00dfeltern und deren Nachkommen und so weiter.<\/p>\n<p> Soweit, so legal. Doch was, wenn niemand die rechtm\u00e4\u00dfigen Erben kennt und diese selbst nichts vom Tod des Verwandten wissen?<\/p>\n<p> <b>Mehr Erbschaften, weniger Erben<\/b><\/p>\n<p> Vieles deutet darauf hin, dass dies in Zukunft immer h\u00e4ufiger der Fall sein wird \u2013 denn die Zahl der Single-Haushalte und Patchworkfamilien steigt, ebenso wie die Lebenserwartung und der Zuzug \u00e4lterer Menschen in Pflegeheime. Die Aufl\u00f6sung famili\u00e4rer Bindungen d\u00fcrfte Erbforschern auf absehbare Zeit neue Kunden bescheren. Manuel Aicher ist jedenfalls nicht mehr \u00fcberrascht, wenn er im Rahmen seiner Recherchen auf Menschen trifft, die nicht einmal wissen, ob, geschweige denn wo, ihre Geschwister, Eltern oder Kinder leben.<\/p>\n<p> Zu Beginn seiner Arbeit steht meist ein n\u00fcchterner Text in einer amtlichen Ver\u00f6ffentlichung, wie etwa im Bundesanzeiger, der nun vor ihm auf dem Tisch liegt: \u201eAmtsgericht Pirna, \u00f6ffentlicher Antrag. Hans-Werner B\u00f6hm, geboren am 18. M\u00e4rz 1931 in Ammendorf, heute Halle (Saale), ist am 23. Januar 2003 verstorben. (&#8230;) Seine Halbschwester (&#8230;) ist zu einem Viertel Miterbin. Anstelle eines vorverstorbenen Erben treten seine Nachkommen an die Stelle des Erben. Die betreffenden Erben wollen sich innerhalb von sechs Wochen nach Ver\u00f6ffentlichung beim Nachlassgericht Pirna melden und die Verwandtschaftsverh\u00e4ltnisse detailliert darlegen. (&#8230;) Der anteilige Nettoerbteil soll sich auf rund 700,00 EUR belaufen. Pirna, 29.09.2004.\u201c<\/p>\n<p> Gerichte und Notariate tun sich oft schwer mit der Erbenermittlung oder scheuen den Aufwand. Auch Aicher ist mit einem Nachlass von 700 Euro betroffen, da \u201ediese Summe bereits durch die Benachrichtigung aufgebraucht ist\u201c. Ab etwa 30.000 Euro wird ein Fall f\u00fcr ihn interessant. Dann erh\u00e4lt er vom Nachlassverwalter oder Gericht eine Vollmacht zur Erbenermittlung. Je gr\u00f6\u00dfer der Nachlass, desto wahrscheinlicher ist es jedoch, dass auch andere Ermittler den Erben auf der Spur sind.<\/p>\n<p> <b>Untersuchungen bis zum Jahr 1750<\/b><\/p>\n<p> Kantone wie Tessin, Zug oder Bern, die Aicher angeh\u00f6rte, sind f\u00fcr Erbschaftsermittler interessant, da dort viele wohlhabende und \u00e4ltere Ausl\u00e4nder aus steuerlichen Gr\u00fcnden ihren Lebensabend verbringen. So auch Nina Kandinsky, die vor vielen Jahren in ihrem Haus im vornehmen Gstaad erdrosselt aufgefunden wurde und rund 20 Millionen Franken hinterlie\u00df. Ihr Ehemann, der ber\u00fchmte Maler, war bereits verstorben, und das Paar hatte keine Kinder. Ein Ermittlerkonsortium, dem auch Aicher angeh\u00f6rte, sp\u00fcrte die Verwandten der franz\u00f6sischen Staatsb\u00fcrgerin aus dem russischen Adel auf. Die Forscher fanden zwar nicht Nina Kandinskys Bruder, aber Verwandte ihrer Mutter, die ebenfalls ihren Erbteil erhielten, schon. Allerdings meldete sich niemand aus der v\u00e4terlichen Linie, der die Verwandtschaft h\u00e4tte beweisen k\u00f6nnen. \u201eDie v\u00e4terliche H\u00e4lfte des Erbes ging an den franz\u00f6sischen Staat\u201c, erinnert sich Aicher.<\/p>\n<p> So etwas kommt in der Schweiz relativ h\u00e4ufig vor, denn dort, wie in der DDR, erstreckt sich die gesetzliche Erbfolge nur auf die Nachkommen der Gro\u00dfeltern. Wer in einer fr\u00fcheren Generation mit dem Verstorbenen verwandt ist, hat keinen Anspruch: Das Erbe f\u00e4llt an den Staat. \u201eIn Deutschland hingegen kann ich theoretisch bis zu Adam und Eva zur\u00fcckgehen, um einen gesetzlichen Erben zu finden\u201c, sagt Aicher, der bis ins Jahr 1750 zur\u00fcckforschte. \u00c4hnlich wie bei der Staatsb\u00fcrgerschaft, wo der Fokus des Lebens oder der Sprache nicht auf dem Deutschsein, sondern auf der Abstammung von deutschen Vorfahren liegt, bindet das deutsche Erbrecht Privateigentum an die Blutlinie des Clans, egal wie weitverzweigt und zersplittert dieser auch sein mag.<\/p>\n<p> F\u00fcr Aicher ist es daher wirtschaftlich sinnvoll, sich auf den deutschen Erbschaftsmarkt zu konzentrieren. In Berlin unterh\u00e4lt er ein B\u00fcro mit einem festangestellten Mitarbeiter und mehreren Freiberuflern. Dank der langj\u00e4hrigen Erfahrung in Erbfolgeverfahren liegt seine Erfolgsquote in Deutschland bei 80 bis 90 Prozent, w\u00e4hrend sie in der Schweiz zwangsl\u00e4ufig niedriger ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p> Als politisch engagierter Privatmann h\u00e4lt er das unbegrenzte Erbrecht f\u00fcr \u201eUnsinn\u201c: Es f\u00fchre langfristig zu sozialen Ungleichgewichten. \u201eEs ist widersinnig, dass in einer Stadt wie Berlin die Freib\u00e4der im Sommer nicht mehr \u00f6ffnen, weil die Kassen leer sind, w\u00e4hrend gleichzeitig Erbschaften an Menschen ausgezahlt werden, die denselben Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Gro\u00dfvater wie der Verstorbene haben.\u201c Vor einigen Jahren \u00fcbertrug Aicher den Erben ein Grundst\u00fcck, dessen Besitzer 1945 verstorben war. \u201eIn einem solchen Fall w\u00e4re es sinnvoller, den Erben eine Entsch\u00e4digung zu zahlen und den Gro\u00dfteil des Verkaufserl\u00f6ses der Gemeinde zukommen zu lassen\u201c, sagt Aicher.<\/p>\n<p> <b>Pers\u00f6nliche Daten der Fremdenlegion k\u00f6nnten hilfreich sein<\/b><\/p>\n<p> Denn dem ist nicht so, er ist besch\u00e4ftigt. Auf seinem Monitor leuchtet ein Stammbaum mit Dutzenden von K\u00e4stchen auf, unter einem steht \u201eVerstorben\u201c, unter den anderen nur Fragezeichen. Aicher telefoniert wieder und stellt immer dieselben Fragen: \u201eWann ist X gestorben?\u201c, \u201eWo wohnt Y?\u201c, \u201eHatte XY Kinder?\u201c Bekommt er Antworten, tr\u00e4gt er die Daten in die K\u00e4stchen ein: Geburtsdatum, Geburtsort, Religion, Stand, Ehepartner und deren biografische Daten, Ort und Datum der Heirat, Sterbedatum und Sterbeort. Die Ermittler m\u00fcssen wahre Aktenfresser und Pedanten sein. Ein falscher Name eines Dorfes in Ostpommern oder Mazedonien, ein Schmid ohne \u201eat\u201c, ein Kaspar mit \u201eC\u201c, ein Katholik, der versehentlich zum Reformierten erkl\u00e4rt wird \u2013 und die Spur f\u00fchrt in eine Sackgasse, in der sich der Ermittler verliert, vielleicht ohne sich jemals daran zu erinnern.<\/p>\n<p> Selbst vollst\u00e4ndige Stammb\u00e4ume sind zun\u00e4chst wenig wert, da sie nichts \u00fcber den Wohnort der Erben aussagen. Die Familienurkunden enthalten lediglich die pers\u00f6nlichen Daten, nicht aber den Wohnort. Aicher: \u201eIch hatte den Fall eines Mannes, der in der Schweiz geboren wurde, aber auf der anderen Seite des Genfersees starb.\u201c Er war noch im Personenstandsregister verzeichnet, weil die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden dies nicht gemeldet hatten. Die Ermittler durchforsten daher Bev\u00f6lkerungsregister, Adressb\u00fccher und Nachrufe in alten Zeitungen, schreiben an Kirchenarchive, faxen an Standes\u00e4mter, bl\u00e4ttern in internationalen Telefonb\u00fcchern und lokalen Enzyklop\u00e4dien, durchforsten Passagierlisten von Auswandererschiffen, US-amerikanische Volksz\u00e4hlungslisten und historische Karten, Geburts- und Heiratsregister sowie den US-amerikanischen Sterbeindex der Sozialversicherung. Um erfolgreich zu sein, m\u00fcssen sie die alte deutsche Schrift lesen k\u00f6nnen und mit den Archiven der Vorkriegszeit vertraut sein. Sie sollten die Fluchtwege der Juden im Dritten Reich und die Vertreibungsstr\u00f6me in Osteuropa kennen. Manchmal ist es auch hilfreich, Zugang zu den pers\u00f6nlichen Daten der Fremdenlegion zu haben.<\/p>\n<p> \u201eEs ist ein gigantisches Puzzle, dessen Teile oft \u00fcber die ganze Welt verstreut sind\u201c, sagt Aicher. Und: Es ist ein Puzzle, von dem niemand wei\u00df, welche Teile \u00fcberhaupt existieren. Manchmal finden Freiberufler, Privatdetektive oder ausl\u00e4ndische Kollegen irgendwo auf der Welt ein weiteres Puzzleteil, wenn sie Nachbarn befragen oder einen Totengr\u00e4ber auf einem Friedhof zum Reden bringen. Doch oft ist das nur ein wertloses Randst\u00fcck, das nicht zum Gesamtbild beitr\u00e4gt. Und genau das verlangen die Gerichte, bevor sie einen Erbschein ausstellen: das vollst\u00e4ndige Bild, den vollst\u00e4ndigen Nachweis, dokumentiert durch amtlich beglaubigte Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden.<\/p>\n<p> Aicher hatte F\u00e4lle, in denen eine Postkarte in der Nachlassakte gefunden wurde, die ihn mit zwei oder drei Telefonaten zum Alleinerben f\u00fchrte. Und er hatte F\u00e4lle, die ihn f\u00fcnf, acht, zehn Jahre besch\u00e4ftigten und dann einfach im Sande verliefen. \u201eMan wei\u00df nie, wohin einen der Fall f\u00fchrt, es ist ein Gl\u00fccksspiel\u201c, sagt Aicher, der wie seine Kollegen auf eigenes finanzielles Risiko arbeitet und stets darauf vorbereitet ist, keinen Erben zu treffen. Oder vier Dutzend, darunter er selbst, der die Erbschaft \u2013 und damit auch Aichers Honorar \u2013 jahrelang blockierte.<\/p>\n<p> Das erkl\u00e4rt, warum Erbenermittler sparsam wirtschaften m\u00fcssen und so viel wie m\u00f6glich telefonisch, schriftlich oder online recherchieren, ohne jemals ein Flugzeug zu besteigen. Budapest, Odessa, Bologna, Paris, Memphis, Tel Aviv \u2013 die ganze Welt verliert sich in verstaubten Akten und Kaffeeflecken auf der Tastatur, wenn es um Erbenermittlungen geht. Der alles entscheidende, wirklich spannende Moment kommt \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 erst im allerletzten Augenblick, wenn der Erbenermittler mit den gesammelten Beweisen vor den \u00fcberraschten Erben steht. Das hei\u00dft: Er l\u00e4sst die Dokumente im B\u00fcro und versucht stattdessen, die Erben davon zu \u00fcberzeugen, dass nur er sie zu Erben machen kann. Da Erbenermittler keinen Rechtsanspruch auf ein Honorar haben \u2013 sie ermitteln zun\u00e4chst ohne Auftrag des zuk\u00fcnftigen Erben \u2013, m\u00fcssen sie potenzielle Kunden sozusagen f\u00fcttern: Die Erben erhalten gerade so viele Informationen, dass sie den Honorarvertrag unterschreiben \u2013 Aicher verlangt \u00fcblicherweise 20 Prozent des Nachlasswertes \u2013, aber nie so viele, dass sie den Verstorbenen selbst identifizieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p> <b>Der Wettbewerb schl\u00e4ft nie.<\/b><\/p>\n<p> \u201eIch musste es auf die harte Tour lernen\u201c, erinnert sich Aicher an einen seiner ersten F\u00e4lle, in dem die Erben ihm f\u00fcr die hilfreichen Informationen dankten und ihn ohne Vertrag nach Hause schickten \u2013 es ging um mehrere Einfamilienh\u00e4user in Berlin. Ganz zu schweigen von der Konkurrenz: Es kann vorkommen, dass die Erben schon ein paar Tage fr\u00fcher anklopfen oder sp\u00e4ter auftauchen, aber mit Erben niedrigeren Ranges.<\/p>\n<p> Die Erbenforschung ist ein hochspekulatives Gesch\u00e4ft. 80 Prozent von Aichers Jahresumsatz h\u00e4ngen von drei oder vier F\u00e4llen ab, von denen er j\u00e4hrlich etwa ein Dutzend bearbeitet. Das erkl\u00e4rt, warum trotz der vielen Erbschaften in Deutschland nur etwa 20 Erbenermittler t\u00e4tig sind und Manuel Aicher der einzige in der deutschsprachigen Schweiz ist. Die Branche genie\u00dft \u00fcbrigens nicht den besten Ruf: Erbenermittler gelten als Eindringlinge, die mit ihrem exklusiven Wissen \u00fcber Familienverh\u00e4ltnisse die Erben erpressen und \u00fcberh\u00f6hte Provisionen fordern. Andererseits liegen die in Deutschland \u00fcblichen 20 bis 30 Prozent deutlich unter den 50 Prozent, die sich manche Erbenermittler in den USA g\u00f6nnen, und sind geradezu bescheiden im Vergleich zu den staatlichen Provisionen.<br \/> w\u00fcrde den Ermittler, n\u00e4mlich alles, mitnehmen.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-a4b6ae8 elementor-widget elementor-widget-button\" data-id=\"a4b6ae8\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"button.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-button-wrapper\">\n\t\t\t\t\t<a class=\"elementor-button elementor-button-link elementor-size-sm\" href=\"https:\/\/anp-genealogy.ch\/de\/mckinsey-12-2004\/\" download=\"\">\n\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-content-wrapper\">\n\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-icon\">\n\t\t\t\t<i aria-hidden=\"true\" class=\"ibv ibv-arrow-down\"><\/i>\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-text\">Artikel herunterladen<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch nie zuvor wurden in Deutschland so viele Verm\u00f6gen vererbt wie heute. 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